
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Eine der grundlegenden Lehren ist, den Körper durch ein gesundes Leben zu schützen. Bereits Konfuzius erkannte dies schon vor über 2000 Jahren. Der erste berühmte Arzt der chinesischen Antike war Bianque. Er lebte im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und war angeblich auch der Begründer der Pulsdiagnose und der Akupunktur und gilt als Erfinder verschiedener anderer Diagnoseverfahren wie das so genannte "Horchen auf das Atmen" , Untersuchung der Gesichtsfarbe und die Patientenbefragung, die heutzutage der Anamnese entspricht.
In der TCM fließen viele verschiedene altchinesische Lehren ein. Durch unterschiedliche Interpretationen, Übersetzungen und Gewichtungen hatten sich im Laufe der Zeit viele verschiedene Schulen der chinesischen Medizin entwickelt, was zur Unübersichtlichkeit führte.
In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts verringerte Liu Yuansu die bis dahin angesammelten Verschreibungen von ca. 16.000 auf ungefähr 300 und unterschied die verschiedenen Arten der Krankheiten in sechs Kategorien, was zu einer Vereinfachung der traditionellen chinesischen Medizin führte.
Das "Verzeichnis der materia medica", den Klassiker der chinesischen Pharmazeutik verfasste schließlich Li Shizen (1518 - 1593). Das Werk ist in die Kategorien Kräuter, Tiere und Mineralien eingeteilt, dann wiederum in 16 Kapitel unterteilt und mit 62 Unterkapiteln versehen. Es wurde in unzählige Sprachen übersetzt und enthält mehr als 1.000 Abbildungen und 10.000 Rezepte.
Aus der traditionellen chinesischen Medizin haben sich im Laufe der Jahrtausende viele Behandlungsformen entwickelt. Sie können entweder einzeln angewendet aber auch kombiniert werden. So finden wir die Akupunktur, die Akupressur, die Atem- und Bewegungsübungen (Tai Chi), die Ernährungsberatung, die Kräuterheilkunde, die Meditation (Qi Gong) und die Einrichtungskunst (Feng Shui) wieder.
In der westlichen Welt wurde die TCM lange als Aberglauben abgetan. Sie entsprachen nicht den westlichen Ansprüchen von Überprüfbarkeit und Objektivität.
Wir begegnen in der TCM einer völlig andersartigen Sichtweise der Anatomie, die daraus resultiert, dass in China früher das Öffnen von Leichen nicht erlaubt war und somit auf jahrtausende alte Beobachtungen zurückgegriffen werden musste.
Im Gegensatz zur westlichen Medizin sind die Organe nicht in Ihrer Arbeitsweise entsprechend hintereinander geschaltet, sondern durch die Meridiane (Energiebahnen) verbunden.
Das Konzept der zwei polaren Gegensätze Yin und Yang ist die älteste Grundidee der chinesischen Philosophie, die in alle Bereiche der Wissenschaft und somit auch in alle Bereiche der Medizin einfließt.
Der menschliche Körper lässt sich in Yin und Yang unterteilen. Beides ist immer gleichzeitig vorhanden und kann nur zusammen ein Ganzes ergeben. Sind Yin und Yang im Ungleichgewicht, so muss die Polarität ausgeglichen werden.
Laut Definition der traditionell chinesischen Medizin ist ein Individuum krank, wenn die Energiebahnen (Meridiane) und die Organe nicht ausgeglichen sind. Um dies zu erreichen gibt es verschiedene Energiequellen.
Die Erbenergie (Yuan-Chi/Ursprungs-Chi)
Diese wird bei der Empfängnis von den Eltern an das ungeborene Kind weitergegeben.
Sie entspricht der "Urenergie" und bezeichnet die konstitutionelle
Veranlagung. Der Speicher für das Ursprungs-Chi befindet sich in den
Nieren.
Diese Energie ermöglicht es dem Körper überhaupt erst, andere Energien aus der Umgebung aufzunehmen und nimmt während des gesamten Lebens kontinuierlich ab. Sie kann weder ersetzt noch von außen zugeführt werden.
Die Nahrungsenergie (Gu-Chi)
Sie stammt aus der von uns aufgenommenen und verdauten Nahrung und wird durch
Umwandlung der Nahrung in Energie gewonnen. Durch die spezielle Auswahl der
Nahrungsmittel kann sie vermehrt zugeführt werden.
Die Atmungsenergie (Gong-Chi/natürliches
Luft-Chi)
Durch die eingeatmete Luft wird diese Energie gewonnen. Sie bezieht sich nicht
nur auf die Aufnahme von Sauerstoff sondern auch auf die feinstofflichen Energien,
die durch die Atmung aufgenommen werden. Somit wird sie oft auch als "kosmische"
Energie oder "universelle" Energie bezeichnet und kann durch spezielle
Atemübungen vermehrt werden.
Aus der Nahrungsenergie, der Atmungsenergie und der Erbenergie wird das so genannte "normale Chi" gebildet, das gleichzeitig eine der fünf Grundsubstanzen des Körpers ist.
Es übt im Körper fünf Funktionen aus.
Zum ersten ist es die Quelle der Bewegung im Körper wozu alle körperlichen und bewussten Aktionen (gehen, laufen, essen), alle automatischen Muskelbewegungen (atmen, Herzschlag) aber auch geistige Aktivitäten wie Denken und Träumen zählen.
Es ist zum Schutz des Körpers, denn das Chi verhindert, dass krank machende Umwelteinflüsse an den Körper herangelangen können.
Das Chi sorgt für die Umwandlung der Nahrung und eben dadurch, dass die von uns aufgenommene Nahrung in andere Substanzen wie Harn, Schweiß und Blut umgewandelt werden.
Ebenso sorgt es für die Ordnung im Körper, reguliert die Sekretion der verschiedenen Körperflüssigkeiten und ist somit dafür verantwortlich, dass das Blut nicht aus den Gefäßen tritt und sich die Organe nicht verschieben.
Zu guter Letzt bestimmt es die Temperaturregelung im Körper. Die durchaus wärmende Funktion des Chi sorgt für die optimale Körpertemperatur.
Die zweite Grundsubstanz stellt das Blut (Xue) dar. Da in der chinesischen Medizin die Funktion eine größere Rolle spielt als die Lage der Organe im Körper, ist dort nicht genau definiert, auf welchen Bahnen sich das Blut bewegt. Wie das Chi kann aber auch das Blut aus dem Gleichgewicht geraten.
Die dritte Grundsubstanz stellt das Jing dar. Es bezeichnet eine Substanz, auf der jedes organische Leben basiert, woraus der Körper die Kraft schöpft, sich organisch zu verändern. Jing wird als flüssigkeitsähnliche Substanz dargestellt und bildet die Grundlage für Reproduktion und Entwicklung. Auch Jing kann sich im Ungleichgewicht befinden und wie rasch sich ein Organismus von der Empfängnis bis zum Tod entwickelt hängt von den jeweiligen Veränderungen des Jing ab.
Shen ist die vierte Grundsubstanz und ist die einzige, die alleine zum Menschen gehört. Sie verkörpert das menschliche Bewusstsein und kann ebenfalls wie schon die anderen drei aus dem Gleichgewicht geraten.
Die fünfte und letzte Grundsubstanz (Jin-Ye) bildet alle im Körper fließenden Flüssigkeiten mit Ausnahme des Blutes. Diese Körpersäfte wir Speichel, Schweiß, Harn und Verdauungssäfte werden Jin-Ye genannt.
Sie dienen der Ernährung von Haut, Haaren, Muskeln, Fleisch, Organen u.v.m. Im Vergleich zu den anderen vier Grundsubstanzen kommt Jin-Ye jedoch eine wesentlich geringere Bedeutung zu.
Sämtliche Ungleichgewichte des Organismus werden in der TCM mittels geeigneter Ernährung, entsprechenden Kräutergaben, Atem- und Bewegungsübungen, Akupressur oder Akupunktur behandelt.
Bislang wurde die TCM fast ausschließlich
beim Menschen angewendet. Mittlerweile wird sie jedoch auch erfolgreich am
Tier eingesetzt. Anfangs ist sie äußerst schwer verständlich
für den absoluten Laien und bedarf jahrelanger Lernprozesse, da es sich
um eine sehr komplexe Thematik handelt. Daher sollte man sich in die Hände
eines erfahrenen Therapeuten begeben und sein Tier keineswegs selbst therapieren.